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Mein Kampf, Plato und... Von Krzysztof Górski |
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Krzysztof Górski ist Soziologiestudent in Gdansk und Mitarbeiter des deutsch-polnischen Jugendmagazins Grenzenlos - Bezgraniz |
Vor einigen Tagen wollte ich wie gewohnt meine Lieblingszeitung am Kiosk holen. Da bemerkte ich hinter der Glasscheibe den Suchtitel "Die Legende Holocaust" (den Autor weiß ich nicht mehr). Empört wies ich die Verkäuferin darauf hin, daß diese Publikation wenn nicht gar faschistisch, dann auf jeden Fall antisemitisch ist und bereits verboten. Meine nette Verkäuferin nahm das Buch aus der Auslage und ich habe es dort niemals mehr in meinem Lieblingskiosk gesehen.
Als ich wieder zu Hause war, setzte ich meine allmählich im Winterschlaf versinkenden grauen Zellen in Bewegung und dachte mal darüber nach. Dank ihrer außerordentlich energischen Aktivität kam ich zum Schluß, daß es falsch ist, den Wortführern der These von der Auschwilz-Lüge gesetzliche Verbote zu erteilen. Warum? Ich gehöre zu denjenigen, für die der Holocaust nicht nur einen ethischen oder anthropologischen Aspekt hat, als Quelle der Wahrheit über den Menschen, sondern eine religiöse und sakrale Dimension bekommt, als das Geheimnis, das Unerkundete und Unbegreifliche. Darüber hinaus bin ich davon überzeugt, daß die Einschränkung der Meinungsfreiheit auch bei wissenschaftlichen Publikationen zum Holocaust zum gefährlichen Präzedenzfall mit Folgen werden könnte. Ich erwähnte nicht zufällig die religiösen Gefühle. Der Holocaust hatte eine enorme Auswirkung auf den heutigen Judaismus. Ich habe nämlich Angst, daß es einmal dazu kornmen könnte, daß jenes Parlament, das heute das Wort von der Auschwitz-Lüge verbietet, morgen vielleicht auch die Verneinung Gottes unter Strafe stellen könnte. Mit der gleichen Begründung und zwar mit der Sorge um die Gesamtkondition des Volkes (lese bei Dostojewski nach). Wenn das Wort von der Auschwitz-Lüge verbieten, warum dann noch die Philosophie und Soziologie Platons in "Der Staat" lesen lassen? Die totalitären Ideen daraus haben schon so manchen inspiriert. Beispiel? Bitte sehr. Beide, Plato und Hitler, traten für die Eugenik ein, d.h. eine künstliche Zucht des homo sapiens mit besserem genetischem Material ausgestattet als die Mehrheit der Population. Ich bin auch überzeugt, daß durch Verbote - paradoxerweise - für das Indizierte geworben wird, indem man die Menschen erst auf etwas aufmerksam macht und ihnen das verbietet. Dadurch steigert man ungewollt den Attraktivitätsgrad des Verbotenen. Es erübrigt sich wohl, die Binsenwahrheit von den "verbotenen Früchten" zu wiederholen. Besonders in einer Zeit, in welcher der Verschleiß an Staat und Politik bei der jungen Generation so rasant ist, ist der Appetit auf "verbotene Früchte" um so größer. Die neue polnische Verfassung verbietet Parteien, die im Sinne einer totalitätren Tradition handeln. Obwohl diese Parteien mit ihren Anführern Tejkowski und Bryczkowski längst aus der Anonymität getreten sind, läßt das die Justizbehörden offensichtlich kalt. Es geht sogar soweit, daß einige Vertreter der rechtsextremen Nationalen Rechten als Volksvertreter für AWS im Sejm sitzen. Der entsprechende Paragraph der Verfassung bleibt wirkungslos und tot. Machen wir uns doch nichts vor. Den Hang zum Konspirieren bekommt jeder Pole mit der Muttermilch verabreicht. Mit den verbotenen Publikationen würde jeder sich bald im "zweiten Umlauf" versorgen können. Das wichtigste Argument habe ich mir aber für den Schluß gelassen. Mit Verboten kann ich bestenfalls am Ast sägen, auf dem Dummheit und Gedankenlosigkeit hocken. Anfangen muß man an den Wurzeln, d.h. bei der politischen Bildung der jungen Menschen. Dabei setze ich natürlich nicht auf die polnischen Schule, wo man bestenfalls zum Konformisten ohne eigene Meinung erzogen wird. Der Kampf muß mit Zivilcourage, persönlichem Einsatz und guten Ideen in der Öffentlichkeit geführt werden. So etwa wie in meinem kleinem Beispiel mit der Kioskfrau. Heute bin ich froh, daß ich das getan habe. Auch wenn ich für das uneingeschränkte Recht auf Blödheit bin. |
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