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Europäischer Studiengang:
Menschenrechte und Demokratisierung
 
Ein Bericht von Dörthe Schmidt. Sie hat die Studenten des Studiengangs "Menschenrechte und Demokratisierung"an der Universität Bochum befragt. Menschenrechte. Wo werden sie wirksam? Vor allem wie? Wie sieht beispielsweise für Kriegsopfer konkret Gerechtigkeit aus? Und wie können Menschenrechte international durchgesetzt und eingehalten werden?
Mit diesen oder ähnlichen Fragen beschäftigen sich Studenten aus allen Nationen in dem Europäischen Studiengang "Menschenrechte und Demokratisierung".
Weitere Informationen:

www.hrd-euromaster.venis.it

eMail:
hrd-european.master@venis.it

Die Universität in Padua koordiniert den einjährigen Aufbaustudiengang, der von 15 Universitäten, verteilt auf die Länder der Europäischen Union, gemeinsam organisiert und durchgeführt wird. Ziel ist es, so im Informations-
heft, die eigentlich "unteilbaren Verbindungen zwischen Menschenrechten, Demokratie, Frieden und Entwicklung" zusammenzuführen. Und das durch internationale und interdisziplinäre Fragestellungen.

Vier fachliche Bereiche


Der Studiengang ist in zwei Semester aufgeteilt. Zunächst verbringen die 75 zugelassenen Studenten das erste Semester gemeinsam in Venedig. Dort stehen Seminare und Diskussionsrunden zu vier Schwerpunkt-Gebieten rund um Menschenrechts- und Demokratisierungsfragen auf dem Stundenplan:
  • Geschichte, Philosophie und Politik von Menschenrechten und Demokratie:

  • Hier geht es unter anderem um kulturelle Identität, Demokratiemodelle und internationale Sicherheitssysteme
  • Menschenrechte und humanitäre Gesetzgebung

  • Fragen, wie Menschenrechte in der internationalen Gesetzgebung behandelt werden oder an welche Zielgruppen sich Menschenrechte besonders richten werden neben anderen hier diskutiert
  • Allgemeine und regionale Systeme zum Schutz der Menschenrechte

  • Das Profil verschiedener Menschenrechtsorganisation wird behandelt: UN (United Nations), Council of Europe, Überblick über Menschenrechtsorganisationen außerhalb Europas.
  • Feldforschung zu Menschenrechten und Demokratie

  • Praxisanwendungen, wie Wahlaufsicht und Entwicklung lokaler Organisationen zu den Menschenrechten.
Praxis in der Krisenregion
Als Abschluß des ersten Semesters 98/99 und als Praxisanwendung führte eine Exkursion die TeilnehmerInnen des Studiengangs in den Krisenherd Europas, der geographisch nicht weit von Venedig entfernt ist: Ins ehemalige Jugoslawien. In Bosnien-Herzegowina lernten die Studenten vor Ort die Situation der Hilfsorganisationen, der unabhängigen Presse und der Einwohner kennen.
Mit viel Wissen aus Venedig und der Praxiserfahrung aus Bosnien im Gepäck, verteilen sich anschließend im zweiten Semester die Studies auf die beteiligten fünfzehn Universitäten. Jede Uni betreut Spezialgebiete. Während zum Beispiel die National University of Ireland in Dublin sich eher um philosophische Fragen, die mit Menschenrechten und Demokratisierung zusammenhängen, kümmert, hat sich die Ruhr-Universität in Bochum auf Humanitäres Völkerrecht, Rüstungskontrollrecht und Menschenrecht spezialisiert.

Menschenrecht als Mitgift für Frauen


Das hat auch den aus Indien stammenden, aber in Großbritannien aufgewachsenen Gauton Rao in die Ruhrgebietsstadt Bochum geführt. In seiner Abschlußarbeit beschäftigt sich der junge Mann mit Frauenrecht, das offensichtlich in seiner asiatischen Heimat, in vielen Teilen Indiens, nicht existiert: Er weiß über drastische Vergehen an indische Frauen zu berichten: "Wenn eine Frau heiraten will, muß ihre Familie eine Mitgift bezahlen. Kann die Familie der Frau aus finanzieller Not die vorher vereinbarte Mitgift an die Familie des Bräutigams nicht zahlen, muß die Frau sterben." und er schildert einen ähnlichen Fall: "Stirbt ein Mann, wird seine Frau auch verbrannt". Angesichts solcher, eigentlich unglaublicher Fälle, die wenn auch nur in einigen kleinen Teilen Indiens noch praktiziert werden, wird deutlich, daß der Bedarf an Einführung, Einhaltung und Durchsetzung von Menschenrechten längst noch nicht ausreicht.
Die Österreicherin Renate Frech, die als Politologin bei der Menschenrechtsorganisation Ludwig Boltzmann in Wien schon praktische Erfahrung sammelte, erarbeitet konkrete Konzepte zur Wiedergutmachung und Gerechtigkeit von Kriegsopfern. "In der Spannweite zwischen juristischen und politologischen Aspekten", sieht sie besonders die Vorteile des interdisziplinären Studiums. In ihrer Hausarbeit beschäftigt sie sich mit der "Postkonfliktbewältigung" nach Völkerkriegen und –morden. "Zur Gerechtigkeit von Kriegsopfern gehört, daß die Überlebenden erfahren, was mit ihren Angehörigen passiert ist, wo und wie sie gestorben sind, und sie die Möglichkeit kriegen, sie zu beerdigen."

Nach erfolgreichem Abschluß des Studiums können die "European Master´s in Human Rights and Democratization" unter anderem bei Hilfsorganisationen arbeiten oder als Projektleiter in Krisengebiete gehen.
Zugangsvoraussetzung für das Aufbaustudium ist ein abgeschlossenes Studium in einem Fach, daß Anknüpfungspunkte mit den Themengebieten "Menschenrecht und Demokratisierung" ausweist, wie Jura, Naturwissenschaften, Soziologie, Politologie oder Wirtschaftswissenschaften. Wichtig sind ebenfalls sehr gute Sprachkenntnisse in Englisch und einigermaßen gute in Französisch. Wer dann noch praktische Erfahrung auf dem Gebiet der Menschenrechte hat, um so besser.

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